Das Widerrufsrecht ist eines der wichtigsten Verbraucherrechte beim Online-Shopping. Es gibt dir die Möglichkeit, innerhalb einer bestimmten Frist von einem Kaufvertrag zurückzutreten – ohne Angabe von Gründen. Doch nicht alle Waren können zurückgegeben werden, und es gibt bestimmte Fristen und Formvorschriften zu beachten. In diesem Ratgeber erklären wir dir deine Rechte und zeigen, wie du den Widerruf korrekt durchführst.
Grundlagen des Widerrufsrechts
Das Widerrufsrecht ist in den §§ 355 ff. des Bürgerlichen Gesetzbuches (BGB) geregelt und gilt für alle Verbraucherverträge, die im Fernabsatz (online, telefonisch, per Katalog) geschlossen werden.
Die 14-Tage-Frist
Die Widerrufsfrist beträgt 14 Tage und beginnt in der Regel mit dem Tag, an dem du die Ware erhalten hast. Bei Teillieferungen beginnt die Frist erst mit dem Erhalt der letzten Teillieferung. Bei Abonnements beginnt sie mit dem Erhalt der ersten Lieferung. Wichtig: Es genügt, wenn du die Widerrufserklärung innerhalb der 14 Tage absendest – die Ware muss nicht innerhalb dieser Frist bereits zurückgeschickt sein.
Wie erkläre ich den Widerruf?
Der Widerruf muss ausdrücklich erklärt werden. Eine bloße Rücksendung der Ware ohne Erklärung reicht rechtlich nicht aus, auch wenn viele Shops dies in der Praxis akzeptieren. Du kannst den Widerruf erklären per E-Mail an den Kundenservice, über das Widerrufsformular auf der Website des Shops, per Brief oder Fax oder über das Retourenportal im Kundenkonto. Der Widerruf muss keine Begründung enthalten – ein einfacher Satz wie „Hiermit widerrufe ich den Kaufvertrag über die folgende Ware: [Artikelbezeichnung], bestellt am [Datum], Bestellnummer [Nummer]" ist ausreichend.
Ausnahmen vom Widerrufsrecht
Nicht alle Waren und Dienstleistungen unterliegen dem Widerrufsrecht. Das Gesetz sieht verschiedene Ausnahmen vor, die du kennen solltest.
Diese Waren können nicht widerrufen werden
Vom Widerrufsrecht ausgenommen sind unter anderem:
- Verderbliche Waren (z. B. Lebensmittel mit kurzem Haltbarkeitsdatum)
- Individuell angefertigte Waren (z. B. Maßanfertigungen, personalisierte Produkte)
- Versiegelte Hygieneartikel (z. B. Unterwäsche, Kosmetik), wenn die Versiegelung nach der Lieferung entfernt wurde
- Versiegelte Ton- und Videoaufnahmen sowie Software, wenn die Versiegelung entfernt wurde
- Zeitungen und Zeitschriften (Ausnahme: Abonnements)
- Waren, die nach der Lieferung untrennbar mit anderen Gütern vermischt wurden
Sonderfall: Digitale Inhalte
Bei digitalen Inhalten (Downloads, Streaming, Software-Lizenzen) kann das Widerrufsrecht vorzeitig erlöschen, wenn der Händler mit der Vertragserfüllung begonnen hat und du dem ausdrücklich zugestimmt hast. In der Praxis wird vor dem Download oft eine Checkbox angezeigt wie „Ich stimme zu, dass der Download sofort beginnt, und weiß, dass ich mein Widerrufsrecht verliere."
Rückzahlung und Kosten
Nach einem wirksamen Widerruf muss der Händler dir den Kaufpreis inklusive der ursprünglichen Hinsendekosten (Standardversand) innerhalb von 14 Tagen erstatten.
Wer trägt die Rücksendekosten?
Die Rücksendekosten trägt grundsätzlich der Verbraucher, sofern der Händler dies in der Widerrufsbelehrung mitgeteilt hat. Allerdings übernehmen viele große Online-Shops die Retourenkosten freiwillig als Service – insbesondere Zalando, Amazon, Otto und About You. Seit einer Gesetzesänderung sind Händler nicht mehr verpflichtet, die Retourenkosten zu übernehmen, es sei denn, sie haben dies ausdrücklich zugesagt.
Wertersatz bei Benutzung
Du darfst die Ware vor dem Widerruf prüfen – so wie du es auch im Geschäft tun würdest. Wenn du die Ware darüber hinaus benutzt hast und dadurch ein Wertverlust eingetreten ist, kann der Händler einen Wertersatz verlangen. Beispiel: Du trägst ein Kleidungsstück auf einer Veranstaltung und gibst es danach zurück – der Händler darf den Wertverlust vom Erstattungsbetrag abziehen. Eine reine Anprobe (wie im Geschäft) begründet dagegen keinen Wertersatzanspruch.